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... Die neue CD des Duos :nota bene: ist eine Herausforderung für den Hörer. Normalerweise nicht unbedingt ein Verkaufsargument, ist das bei neuer Musik gerade erwünscht. Deswegen kann man es stilsicher nennen, wenn :nota bene: sich um neuartige Hörerlebnisse bemüht.
Das bestimmende Erlebnis ist bei nota bene: volume drei der Kontrast zwischen der Vielzahl der Stücke und Komponisten einerseits und der konzentrierten Kürze der Stücke auf der anderen Seite.
Diese Auswahl zwingt den Hörer bzw. die Hörerin, der konzentrierten Kürze eine konzentrierte Aufmerksamkeit entgegenzusetzen, oder die Hälfte zu verpassen.
Der lange Zeit unbekannte György Kurtág hatte 1979 bereits ein ausgefeiltes Klanginstrumentarium zur Verfügung. In den "Tre pezzi" schafft das Duo .nota bene: sofort drei ganz eigene Stimmungen. Erst die Einöde ("öd und traurig"), gespielt mit herrlicher Zähigkeit, dann doch eine Spur kargen Lebens darin ("vivo"). Schließlich eine sentimentale Stimmung ("sehr leise, äußerst langsam"). Eva Steinschaden bringt ihr Instrument zu einem beeindruckenden Ächzen. Die Zeit scheint zu stehen, Gelegenheit die Gedanken schweifen zu lassen.
Aus diesen Träumen wird man durch Lutoslawskis "Subito" von 1992 herausgerissen, das seinem Namen alle Ehre macht. Dynamik ist hier wichtig, kontrapunktisch hat das Werk wenig zu bieten. Der Wechsel der Lautstärken ist in der Interpretation sehr gelungen.
Besonders interessant wird :nota bene: volume drei durch zwei zeitgenössische Werke. Beide haben sie einen Mythos zum Thema. Ludwig Nussbichler (geb. 1963) hat sich dem Traum gewidmet, einem Konzept, das Anfang des 19.Jh. eine Blütezeit hatte. "Traumbildfragmente III" erinnert dann auch an den frühen Schönberg, an Skrjabin und seine schwebenden Melodien, an Musik aus der Zeit der Traumdeutung durch Freud. Ziellos wandern Violinen-Melodien durch den Hall der bruchstückhaften Figuren des Pianos, das Alexander Vavtar mit kompromisslosem Pedaleinsatz spielt. Eine sehr sinnliche Erfahrung ist möglich.
Ganz anders geht Klemens Vereno (geb. 1957) vor. "Fünf Haiku" lebt vom Mythos fernöstlicher Spiritualität. Ein Haiku ist eine besonders kurze japanische Gedichtform, die aus drei Zeilen zu 5, 7 und wieder 5 Einheiten besteht. Diese Struktur lässt sich in den 5 Sätzen Verenos, die zwischen 40 und 62 Sekunden dauern, nicht heraushören. Es ging dem Komponisten vielleicht um eine allgemeinere Anregung: Bei so kurzen Stücken bleibt gar nichts anderes übrig, als auf die Details zu achten. Im Gegensatz zu verschwimmenden Traumbildern hat jeder Ton der ruhigen Klanggedichte Verenos ein großes Gewicht und muss deutlich wahrgenommen werden.
Alles in allem eine erdrückende Fülle in einer Interpretation, die den Hörer nicht an die Hand nimmt, und das vielleicht auch gar nicht will. Wer die Herausforderung annimmt, kann allerdings umso mehr erleben.
(klassik.com/Deutschland, Juli 2005)

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